27.04.2014
*Sommerfest 13.06.2014, Dänische Zentralbibliothek*


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KUNSTLABOR
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Presse

 

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 08. Juni 2013 | Unter Nachbarn

Angela Jensen, angela.jensen@t-online.de

Die Kunst kreativ zu sein

Im Kunstpädagogischen Labor entdecken zehn Kinder und Jugendliche ihre künstlerische  Ader. Die Session im Flensburger Atelier von Dany Heck  ist Teil des Interreg Projekts NEXUSPro2017

Flensburg. Victor (11) schneidet und klebt, Samuel (14) malt konzentriert einen Riesen, Philip zeichnet bevorzugt mit Bleistift und Kira (14) kleckst das Papier mit bunten Farben voll – kontrolliert!

Die Jugendkunstgruppe ist kreativ und hat eine gemeinsame große Leidenschaft: Künstlerische Freiheiten. Jeden zweiten Sonnabend treffen sich die jungen Kreativen im Atelier von Dany Heck. Die Kunstpädagogin ist der spiritus rector, sie macht Mut, motiviert, kritisiert – konstruktiv und leidenschaftlich. Bei ihr (er)lernen die Freigeister die hohe Kunst kreativ zu sein und zu begreifen, was wirklich in ihnen schlummert. „Es ist schon erstaunlich, wie sich die Kinder und Jugendlichen hier entwickeln. Sie haben unterschiedliche Ausgangslagen, gehen auf verschiedene Schulen, sind nicht gleich alt. Ihr Interesse und die  Lust auf Kunst hat sie zu einer kreativen Interessengemeinschaft verschmolzen“, erklärt die Kunstpädagogische Leiterin Dany Heck (47). Das Kunstpädagogische Labor ist Teil des Interreg-Projekts NEXUSPro2017, bei dem kunst- und kulturpädagogische Projekte für Kinder und Jugendliche im Vordergrund stehen. Dabei geht es im Wesentlichen um die Erforschung von Kunstprojekten und deren interkulturelle Bedeutung sowie um die praktische Umsetzung von Kunst.

„Mir macht die Arbeit mit den Kindern großen Spaß. Die Kinder und Jugendlichen bekommen durch ihre Selbstversuche ein gesundes Selbstbewusstsein und finden ihre eigene künstlerische Sprache. Das ist das Wichtigste bei diesem Projekt“, sagt Dany Heck. Bei den Kunst-Sessions gibt sie zunächst ein Thema vor. Ihre Schüler sollen sich Notizen machen. Heute stehen Kontraste im Mittelpunkt. Die Köpfe rauchen und dann … schlägt die  Phantasie der jungen Wilden Purzelbäume – sie alle haben eine Idee: hell/dunkel, schwarz/weiß, Leben/Tod, wissend/unwissend, klein/groß und Licht/Schatten. Die bereit  liegenden Mal-Utensilien werden in Nullkommanix herbei geschafft, Samuel fixiert das große Blatt Papier mit Klebeband auf einem Holzbock, Kira hockt sich vor die Staffelei, Lene macht sich auf dem Boden breit. Die schöpferische Kraft ist kaum zu bändigen. Genau das will Dany Heck erreichen! Eigene Idee entwickeln, zeichnen, malen, klecksen, Details herausarbeiten. Freie Fahrt für die Phantasie!

Dany erklärt ihr Konzept: „Ich gebe nur die Richtung vor, den Anstoß … als Inspiration. Ich diskutiere mit den Kindern und Jugendlichen aber auch Begrifflichkeiten. Danach sind sie sich selbst überlassen und haben viel Zeit, ihr eigenes freies Kunstwerk zu schaffen“.

Am Ende des Workshops steht die Bildbesprechung. Dany Heck nimmt sich für jeden ihrer Sprösslinge viel Zeit, sie stellt Fragen, betrachtet das Bild von allen Seiten und fordert die jungen Künstler immer wieder auf, sich mit ihrem Werk zu beschäftigen. „Das“, sagt sie“, ist einer der wichtigsten Momente. Die jungen Künstler bekommen von mir eine Reflexion, lernen ihr Werk noch besser und von einer anderen Seite kennen“. Natürlich hat auch Dany klare Vorstellungen und eine Meinung zu den Unikaten, gibt Tipps, wie man Details oder zum Beispiel einen Schatten noch intensiver herausarbeiten kann. Bei dieser  „Musterung“ macht die 47jährige ihren Kunstschülern immer wieder deutlich, dass es ihr eigenes Werk ist.

Liesa (15) erfährt gerade, wie sie ihren Frauengestalten noch mehr Kontrast geben kann. Sie geht zurück ins Atelier und probiert es aus. In ihrer Freizeit zeichnet sie gerne Mangas (japanische Comics) und fühlt sich hier bei Dany sehr wohl, sagt sie. Philip (16) dichtet sein fertiges Werk mit Spezialspray ab und Marie (14) verwischt die Bleistiftzeichnung ihres dunklen Waldes nun doch noch mehr. Da fehlt aber noch was: wie zeichnet man eigentlich eine Fledermaus? Samuel soll helfen. Ist der Kopf jetzt zu groß oder zu klein? Sieht der Kopf eher aus wie der eines Hundes? „Wir stehen auch untereinander im Dialog. Ich werfe auch mal Fragen in die Runde. Was meint die Gruppe dazu? Passen da noch glitzernde Sterne rein? Ist der Kontrast zwischen Wasser und Himmel deutlich genug? So lernen sie zusätzlich Kritikfähigkeit und konstruktiv mit Vorschlägen umzugehen“, beschreibt Dany Heck die pädagogische Komponente.  

Während der zweiten Hälfte der Session können die Kinder und Jugendlichen frei zeichnen, an unfertigen Werken weiterarbeiten oder sich etwas Neues einfallen lassen. „Die vier Stunden vergehen wie im Flug‘. Meine besten Bilder sind hier entstanden!“ sagt Samuel während er konzentriert weiter an seinem Riesen zeichnet. Zum Schluss heißt es: Aufräumen, wegpacken und die nächsten Termine besprechen. Die Atelier-Tür öffnet sich, Samuel, Kira, Liesa und all die anderen schwirren aus in alle Himmelsrichtungen. In zwei Wochen sind die Kunstjünger alle wieder hier, in Danys Atelier.
Angela Jensen

 

Kunstpädagogisches Labor

Die Treffen im Atelier von Dany Heck in Flensburg finden alle 14 Tage statt. Die 47jährige ist seit 13 Jahren freischaffende Künstlerin, beschäftigt sich mit Malerei, Bildhauerei und künstlerischen Großprojekten. Sie gibt Zeichenkurse an der Volkshochschule und Ostseeschule, hat einen Lehrauftrag an der Uni in Flensburg und beteiligt sich an Kunstsymposien und Festivals. Im Kunstpädagogischen Labor ist Dany Heck verantwortlich für die praktische Umsetzung des NEXUSPro2017-Kunstprojekts für Kinder und Jugendliche  sowie für die interkulturelle Kontaktaufnahme zwischen deutschen und dänischen Kindern, Jugendlichen, Künstlern und Kulturinstitutionen. Die Werke der Jugendgruppe werden bei der grenzüberschreitenden Artweek Aabenraa, dem Event zeitgenössischer Kunst, vom 1. bis  11. August 2013 gezeigt. Dort sind auch Kunst-Workshops und Installationskreationen zum Thema „Intervention im öffentlichen Raum“ mit deutschen und dänischen Jugendlichen geplant. 

 

Interview:

Vom Amateur zum Profiprojekt

Markus Herschbach (50), freischaffender Künstler und Wissenschaftler, ist einer der Initiatoren des Projekts NEXUSPro2017. Er wird während der Projektlaufzeit Kunst- und Kulturprojekte analysieren sowie die Arbeit im Kunstpädagogischen Labor auf wissenschaftlicher Basis begleiten. Seit Juli 2012 promoviert Herschbach zum Thema: „Untersuchung der Wirksamkeit  transkultureller, kunst- und kulturpädagogischer Kinder- und Jugendprojekte im deutsch-dänischen Grenzland im Kontext kultureller Bildungstheorien und Weiterentwicklung kunstpädagogischer Konzepte“ bei Prof. Dr. Manfred Blohm, Universität Flensburg.

Dieser Titel hört sich ja hoch wissenschaftlich an, was bedeutet das kurz gesagt:

Markus Herschbach: Die Grundidee unseres Projektes ist die zukünftige, optimalere Nutzung von grenzüberschreitenden Projekten. Ich untersuche bereits abgeschlossene und begleite laufende Projekte, die sich mit Kunst und jungen Menschen beschäftigen.

Wie sieht das in der Praxis aus?

Markus Herschbach: Ich untersuche 35 deutsch-dänische Projekte, die in den vergangenen zehn Jahren zum Thema bildnerische Kunst stattgefunden haben. Das Regionskontor in Pattburg hat mir Abschlussberichte und Antragsformulare von Mikroprojekten der Interreg-Projekte „People to People“, „KulturBro“ und „KulturDialog“ zur Verfügung gestellt. Außerdem begleite und beobachte ich die Kinder und Jugendlichen im Kunstpädagogischen Labor von Dany Heck.

 

Das Nexus-Projekt läuft ja schon seit Juli 2012. Haben Sie schon neue oder überraschende Erkenntnisse gewonnen?

Markus Herschbach: Ich möchte nichts vorweg nehmen, doch von den 35 Projekten beschäftigen sich nur fünf bis sechs ausschließlich mit Kunst, die von professionellen Künstlern begleitet wurden. Die übrigen nur am Rande mit Kunst und Kunstpädagogik. Diese Komponenten sind möglicherweise aus anderen Motiven heraus in den Projektantrag geschrieben worden. Das gilt es noch weiter zu untersuchen.

 

Das klingt nach Kritik. Spricht da der Forscher in Ihnen?

Markus Herschbach: Da schlagen wohl zwei Herzen in meiner Brust – das wissenschaftliche und das künstlerische. Ich arbeite auch als Künstler und habe in der Vergangenheit selber deutsch-dänische Projekte geleitet. Ich verspreche mir von dem Nexus-Projekt eine wissenschaftliche von Forschung geprägte Arbeit, aber auch eine Art Leitfaden für zukünftige Projekte.

 

Damit diese es dann besser machen? Quasi vom Amateur zum Profiprojekt?

Markus Herschbach: Wir wollen nicht schulmeisterlich daher kommen und den Zeigefinger heben, aber die Qualität und das Konzept könnte bei einigen Projekten bestimmt verbessert werden. Deshalb haben wir ja auch ein eigenes Kunstprojekt mit Kindern und Jugendlichen aus der Taufe gehoben, um auch praxisorientiert zu lernen. Wie wird eine Problemstellung von der Jugendkunstgruppe umgesetzt und kann ich damit allgemeingültige Methoden auch für die Nutzung an der Uni entwickeln? Das ist meine Fragestellung.

 

Es wird im Moment viel über kulturelle Bildung in den Medien gesprochen. Wie schätzen Sie diese Diskussion ein?

Markus Herschbach: Ja, dieser Ausdruck wird gerne bemüht. Doch was bedeutet das eigentlich? Mehr Kunstpädagogik an Schulen? Sind die Lehrer eigentlich ausreichend dafür geschult? Oder sollten Eltern ihre Kinder bei außerschulischen Projekten anmelden, damit diese kulturell gebildet werden? Das kann sich ja wieder nur eine bestimmte Bildungsschicht leisten. Wir wollen jedenfalls viele Fragen stellen und kritisch analysieren.

 

Was ist noch während der Projektlaufzeit geplant?

Markus Herschbach: In Zusammenarbeit mit der Uni Flensburg, der Syd Dansk Universitet und dem Institut für Qualitätsentwicklung an Schulen in Schleswig-Holstein wollen wir eine Weiterbildungsmaßnahme für Erzieher und Lehrer noch in diesem Jahr anbieten. Nach drei bis vier Modulen dürfen sich die Teilnehmer „Kulturmoderator“ nennen. 

Interview: Angela Jensen

 

NEXUSPro2017

Das Interreg Projekt NEXUSPro2017 läuft seit Juli 2012 und ist auf drei Jahre angelegt.  Die Universität Flensburg (Fach Kunst & Visuelle Medien) ist Leadpartner des Interreg-Projekts NEXUSpro2017. Ziel des Projektes ist es, den Dialog in der Grenzregion durch eine systematische, an den Ressourcen orientierte Weiterentwicklung kunst- und kulturpädagogischer Kinder- und Jugendprojekte nachhaltig für die Praxis zu fördern und  verbessern. Kooperationspartner sind ´neben der Dansk Universitet Odense (SDU) das Institut für Qualitätsentwicklung an Schulen Schleswig-Holstein (IQSH) in Kiel, das University College Haderslev sowie Schulen und Jugendkunstschulen in den beteiligten Regionen.


weitere Artikel auf deutsch:

19.10.2013 Unter Nachbarn "Großer Tag für kleine Ballett-Mäuse"

 

Nexus: Kultur für Kinder und Jugendliche

 

Passt ins Nexus-Konzept: Tarper Schüler nahmen Unterricht bei Mitgliedern der Flensburger Theaterwerkstatt Pilkentafel und führten das Gelernte auf. Foto: Mai

Flensburg / Odense. ”Deutsch-dänische Kunst- und Kulturprojekte gibt’s wie Sand an der Ostsee”, meint augenzwinkernd Tanja Brümmer von der Uni Flensburg. Seltener dagegen ist die Frage nach den Effekten dieser Projekte: Gibt es touristische Effekte, wie wirken sie sich auf einen grenzüberschreitenden Dialog aus, erzeugen bestimmte qualitative Faktoren besonderen Erfolg, haben bestimmte Projekte eine nachhaltige Wirkung besonders auf Kinder und Jugendliche? Wie müssen “hochwertige” (Kinder- und Jugend-) Kunstprojekte beschaffen sein?

Mit eben diesen und anderen Fragen wird sich die Universität Flensburg federführend in Zusammenarbeit mit der süddänischen Universität (SDU – Campus Odense), beschäftigen. Damit kooperieren die beiden Universitäten zum ersten Mal auf dem Gebiet der kulturellen Bildung. “Nexus” heißt das Projekt, das soziale Integration durch gemeinsame Kulturarbeit stärken will. Beteiligt sind das Institut für ästhetisch-kulturelle Bildung der Uni Flensburg unter Leitung von Prof. Dr. Manfred Blohm und das Institut für Kulturstudien der Uni Odense/SDU mit Prof. Dr. Søren Harnow Klausen. “Nexus” lädt insgesamt 1200 Einrichtungen in der deutsch-dänischen Grenzregion ein, einem Netzwerk beizutreten mit dem Ziel, das Zusammenwachsen der Region zu beleben. Um das zu erreichen, sollen die kulturellen Bildungsangebote, insbesondere für Kinder und Jugendliche, in der Region weiter entwickelt und miteinander vernetzt werden. Dadurch sollen bestehende Kapazitäten besser genutzt, kunst- und kulturpädagogische Kinder- und Jugendprojekte praxisbezogen verbessert und pädagogische Qualitätskriterien für transkulturelle Bildungsprojekte erarbeitet werden. Konkret wollen verschiedenste Bildungsträger zusammenarbeiten: das University College Syd, Hadersleben, mit der dortigen Kunstlehrerausbildung und dem Institut für Minderheitenpädagogik, das UCS Apenrade, mit den Universitäten Syddansk Universitet (Institut for kulturstudier) in Odense und Institut für Ästhetisch-Kulturelle Bildung der Universität Flensburg.

Ein Ziel ist es, die Bildungsstätten in der Region zu einer verstärkten Kooperation zu bewegen und sowohl eine dänische als auch deutsche Klientel anzusprechen: Kindergärten, Schulen, Kinder- und Jugendprojekte sowie Volkshochschulen. Dieses Vorhaben lenkt die Aufmerksamkeit darauf, wie bedeutsam kulturelle Bildung für die Regionalentwicklung ist. “Nexus” wird seit Juni bis Ende Mai 2015 mit Interreg-Mitteln gefördert.

Anfang November wird ein erstes öffentliches Symposium an der Universität Flensburg stattfinden. Weitere Netzwerkpartner sind willkommen; zur festen Netzwerkpartnerschaft gehören zwölf Institutionen von Schloss Glücksburg über Schloss Gottorf und die Jugendbildungsstätte Scheersberg.